Achtsamkeit in dem was ich erlebe und tue

Eine Ähre bewusst im Augenblick so wahrzunehmen als hätte man sie noch nie gesehen - das ist Achtsamkeit. Bild: Bierhals
Eine Ähre bewusst im Augenblick so wahrzunehmen als hätte man sie noch nie gesehen - das ist Achtsamkeit. Bild: Bierhals
Achtsamkeit bedeutet, die Aufmerksamkeit aktiv auszurichten, nämlich:
# absichtsvoll,
# auf den gegenwärtigen Augenblick,
# nicht wertend (Jon Kabat-Zinn).
So gesehen ist Achtsamkeit, jeden Moment aus einer mitfühlenden Haltung heraus zu beobachten und zu (er-)leben, ohne bewertend einzugreifen, und bei Abschweifungen des Verstandes zu üben,
immer wieder zu sich selbst und dem Erleben des Augenblicks zurück zu kommen.
Nach dem Zen-Mönch Thich Nhat Hanh gibt es nur einen einzigen Augenblick, lebendig zu sein: das ist der gegenwärtige. Allerdings strebt unser Verstand sehr schnellentweder in die Vergangenheit ("Hätte ich nur...") oder in die Zukunft ("ich müsste noch..."). Sich auf den Atem zu besinnen, wann immer der Verstand davon-strebt, hilft, sich wieder im Hier & Jetzt zu verorten (--> siehe untenstehenden Vortragsvideo von Thich Nhat Hanh - ab Minute 8:43).

Achtsamkeit üben

Achtsamkeit lässt sich ganz verschieden üben, durch

1.) formale Achtsamkeitspraxis wie z.B. Dankbarkeits-Meditation oder 10-Minuten-Atemachtsamkeit (Audios in der Mittleren-Spalte zum Herunterladen), auch unter Zuhilfenahme von Achtsamkeits-Apps als Anleitung,

2.) Innehalten im Alltag, wozu bewusste Signale, wie die Achtsamkeits-Glocke per App helfen können

3.) Immer wieder die mühlende Beobachterhaltung im Alltag aktivieren, durch Verlangsamen und bewusstes Fragen und Antworten:

# Was sehe ich gerade?

# Was höre ich gerade?

# Was im Körper spüre ich gerade?

# Was für ein Gefühl ist gerade bei mir?

# Was für einen Gedanken denke ich gerade?

# Was für einen Impuls bemerke ich gerade?

# Was ist jetzt gerade wirklich wichtig für mich?

4.) Achtsames Verrichten von Tätigkeiten (Bügeln, Kochen, Duschen), so als würde man diese zum ersten Mal neugierig und interessiert durchführen (sog. Anfänger-Geist), und nicht als routinierte Gewohnheit wie im Autopilot.

Achtsamkeit im Alltag - abseits vom Gewohnten

Das Video zeigt wie das Kerzen-Ziehen handwerklich geht. Es zeigt den ständigen Wechsel zwischen Tauchen und Trocknen der Dochtschnur. Es zeigt allerdings nicht, dass die Achtsamkeits-Übung dabei darin besteht, mit der Aufmerksamkeit immer wieder zum Hier&Jetzt zurückzukehren, wann immer sie abschweift.

So schlimm die Corona-Pandemie im Jahr 2020 ist, der Shutdown kann auch dazu animieren, Tätigkeiten abseits der Gewohnheit achtsam umzusetzen. Tätigkeiten, die seit Jahren schon mal angedacht waren. Bei mir war es: Kerzen ziehen aus jahrelang gesammelten Wachsresten. Es braucht Zeit, bietet jedoch die Chance, achtsam meditative Momente mit der immer gleichen Bewegung zu (er)-leben (zwei Sekunden lang die Dochtschnur tauchen, 30 Sekunden lang trocknen lassen).

Die Achtsamkeits-Übung besteht darin, mit der Aufmerksamkeit immer wieder zum Hier&Jetzt des Eintauchens und Ablegens der Dochtschnur zurückzukehren, wann immer die Aufmerksamkeit abschweift. Zugegeben, ich war nicht während des gesamten stundenlangen Prozederes achtsam; zwischendrin habe ich auch mal geskyped. Dennoch bin ich immer wieder zurückkehrt und habe meditaive Phasen eingebaut, gelebt und erlebt und mich während des Kerzenziehens immer wieder auf meine Handbewegung und den Atem konzentriert.


Eine Einführung über Achtsamkeit von Thich nhat hanh

Achtsamkeit ist ein Prozess mitfühlenden Beobachtens des Augenblicks und alles was an innerem und äußerem Erleben mit diesem Augenblick verbunden ist. V.a. von Minute 8:43 bis 11:23 beschreibt der Zen-Mönch Thich Nhat Hanh in seinem Vortrag sehr anschaulich, welche Rolle die Atembeobachtung als achtsamer Mittler zwischen Körper und Geist zukommt.

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