Apps zum Innehalten im Alltag

Eine Achtsamkeits-Geschichte

Achtsamkeit wird in der Psychotherapie mit R. Bierhals in Bamberg geübt, weil sie Voraussetzung dafür ist, eingefahrene Gewohnheiten zu ändern
Achtsamkeit ist eine Frage der Haltung und der Übung: so als würde man seine ganze Aufmerk-samkeit bewusst auf den Moment des Aufschlags des Balls auf dem Schlägerblatt richten. Bild: A. Dreher / pixelio.de

Eingefahrene Gewohnheiten verändern zu wollen, braucht Achtsamkeit. Und die muss geübt werden!

Das veranschauliche ich mit einer persönlichen Geschichte:

In meiner Kindheit und Jugend spielte ich jahrelang leidenschaftlich Tisch-tennis im Verein. Allerdings hatte ich mir in der Anfangszeit bei der Rückhand einen Sicherheitsschlag angewöhnt. Mit diesem war ich zwar bei Kinder-Turnieren erst einmal meinen Altersgenossen überlegen. Langfristig war durch die Fehlhaltung jedoch die Weiterentwicklung der Rückhand blockiert. Ich musste also umlernen. Dafür nahm sich mein Trainer Hans-Jürgen viel Zeit, um mit mir geduldig stets die gleichen Übungen durchzuführen. Immer wieder hielt er dabei inne und zeigte mir von Neuem die Haltung von Daumen und Zeigefinger. Bald merkte ich selber beim Aufprall des Balls, dass wieder mein Daumen zu hoch gerutscht war und sich der Zeigefinger nicht auf dem Schlägerblatt befand. Ich machte mir bewusst, wie es stattdessen passender wäre. Viel Übung der Bewusstheit. Noch mehr Übung brauchte es, bis wirklich die beiden Finger an der Stelle blieben, wo ich sie haben wollte. Und wiederum noch mehr Übung, bis der Schlag auch den Ball präzise auf die andere Seite der Platte brachte.

Achtsamkeit für den Augenblick ist also mit viel Übung verbunden.

Smartphone-Apps können uns helfen, beim Üben dran zu bleiben - für diejenigen unter uns, die keinen Hans-Jürgen an ihrer Seite haben…

In der rechten Spalte stelle ich hierzu drei kostenlose Apps vor ---->>

 

Hilfreicher Link

Sehr hilfreiche und anregende Informationen rund um das Thema Achtsamkeit, die zum Schmökern einladen, finden sich auf der Web-Seite:

www.achtsamleben.at

 

auf meiner Homepage psychotherapie-bewegt.de gibt es ebenfalls weitere Informationen über: Achtsamkeit

3 Apps im Vergleich

Glocke der Achtsamkeit

Die Idee der Achtsamkeintglocke (Android) ist dem buddhistischen Zen-Lehrer Thich Nhat Hanh entnommen. Es geht darum, sich mit dem mehr oder weniger unregelmäßigen Glockensignal im Alltag immer wieder ans Innehalten zu erinnern, um sich bewusst zu machen, was gerade wichtig ist. Dies ist ein einfaches und effektives Mittel um Bewusstheit herzustellen!  Den Hintergrund für die App schildert Thich Nhat Hanh (inkl. weiterer Achtsamkeitsübungen) in seinem Buch: "Alles, was du tun kannst für dein Glück - Übungen für Körper, Seele und Geist". Das kostenlose Pendant für Apple-Anwender ist Lotus Bud Mindfulness Bell. Fazit: kein Aufwand - und doch ein Effekt. Allerdings sollte man in Besprechungen dran denken, die App lautlos zu stellen...

 

7mind

Für Einsteiger in Achtsamkeitsübungen ist diese App empfehlenswert. In sieben Schritten wird nicht nur das Prinzip der Achtsamkeit erklärt, sondern auch Basis-Meditationen geleitet, z.B. Atem-Achtsamkeit, Stille-Meditation oder eine Übung zum Lösen von Gedanken-Verstrickungen ("Gedanken wie Wolken ziehen lassen"). Gut an der App ist, dass man die Einleitung bei den Übungen überspringen kann, so dass man mit etwas Erfahrung gleich zum Übungsteil kommt. Die Art und Weise, wie angeleitet wird, ist freilich Geschmacksache. Ich empfehle generell, zwischen angeleitetem und selbstgeleitetem Üben abzuwechseln. Das hilft, um den eigenen Achtsamkeits-Weg zu entwickeln. Zudem es nicht in jeder Alltagssituation zweckmäßig ist, das Smartphone herauszuholen und die Ohrstöpsel aufzuziehen. Fazit: Für Neulinge in die Achtsamkeits-Praxis ist 7mind ein hilfreicher Begleiter, mit dem man sich zu Motivationszwecken auch seinen Meditationsfortschritt anzeigen lassen kann.

 

Insight Timer

Das ist mein persönlicher Favorit! Bei dieser App (sowohl für Android als auch iPhone verfügbar) gibt es ein reichhaltiges Angebot von geleiteten Achtsamkeitsübungen und Meditationen. Wirklich gut finde ich vor allem die englischsprachigen Anleitungen. Hier sammeln sich Beiträge von namhaften Achtsamkeits-Lehrern wie John Kabat-Zinn, Sharon Salzberg, Thich Nhat Hanh, Jack Kornfield oder Tara Brach. Dadurch kann man sich im Unterschied zu 7mind auch die Anleitungen heraussuchen, deren Tonart einem persönlich liegen, und die Auswahl in einem Favoriten-Bereich speichern. Die Bandbreite der geleiteten Meditionen ist sehr groß und reicht von Atem-Achtsamkeit und Body Scan über Natur-Meditationen bis hin zu Herzensgüte-Meditationen. Schön finde ich, die in der App vorgesehene Möglichkeit, zwischen angeleiteter und selbstgeleiteter Achtsamkeits- Übungen zu wechseln. Für letzteres steht ein Zeitmesser zur Verfügung, bei dem man vorher seine gewünschte Übungszeit eingibt, und dann per Glocke ans Ende der Übungszeit erinnert wird. Wie bei 7mind wird jedes Üben von der App registriert - und man kann Sternchen in seinem persönlichen Profil sammeln. Erst habe ich darüber gelächelt. Doch beim Ausprobieren muss ich zugeben: es wirkt. Nach mehreren Tagen kontinuierlichem Üben bleibe ich mittlerweile auch bei Unlust dran, denn für 10 Tage hintereinanderfolgende Übungstage gibt es einen neuen Stern. In der Verhaltenstherapie nennt man das Token Economy. Fazit: Insight Timer ist eine durchdachte, reichhaltige App, mit der sich auch Übungsgemeinschaften gründen und verwalten lassen. Ich bin begeistert!

 

 


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Kommentare: 1
  • #1

    Monika T. (Sonntag, 21 Februar 2016 22:42)

    danke für die wertvollen Tipps! Ich habe mir den Insight Timer heruntergeladen und finde auch bei den deutschen Anleitungen passende dabei. Durch die App übe ich viel regelmässiger.