Workshop: Über die "Kunst" des Perspektiven-Wechsels

Mit Perspektiven-Wechsel Klienten beim Aufbau von Tracking-Kompetenz unterstützen. Bild: Kai Brecker/pixelio.de
Mit Perspektiven-Wechsel Klienten beim Aufbau von Tracking-Kompetenz unterstützen. Bild: Kai Brecker/pixelio.de

Tagesworkshop beim DGKV-Kongress 2019 in München von Psychotherapeut Reimer Bierhals aus Bamberg. 

Wenn wir uns erlauben, Perspektiven zu wechseln, werden alternative Sichtweisen auf uns selbst und auf unser inneres Erleben abseits des Gewohnten möglich. In ACT ist der Wechsel der Perspektive eine Möglichkeit, sich selbst abseits von eingefahrenen Konzepten wahrzunehmen und als Träger sowie Beobachter eigener Erfahrungen zu begreifen (Beobachter-Selbst/Selbst als Kontext).

 

In diesem Workshop werden Prinzipien der Bezugsrahmentheorie von Sprache (engl. RFT) als Interventionen erfahrbar gemacht und verschiedene Arten des Perspektiven-Wechsel praktisch erkundet. Um sich aus der Fixiertheit der eigenen sozial-verstärkten "Programmierung" situativ zu lösen, statt regelgeleitet zu tun, was langfristig nicht zufrieden macht, ist es hilfreich sich dieser "Programmierung von starren Selbst-Konzepten" bewusst zu werden, d.h. begreifbar zu machen, auf welche Weise wir mit unserem Verstand Bezugsrahmen bilden und verschiede Ereignisse und Erfahrungen miteinander verknüpfen, ohne das emotionale Risiko neuer Erfahrungen einzugehen. Noch hilfreicher ist es, unseren Verstand bewusster als Verknüpfungsmaschine zu nutzen, um auf Basis konkreter Erfahrungen neue Verknüpfungen herzustellen, die uns immer öfter Handlungen erlauben, welche uns in die Wert-geschätzte Richtung für das eigene Leben führen.

 

Eine zentrale Möglichkeit selbst-bestätigende starre Konzepte von sich und dein eigenen Möglichkeiten situativ zu flexibilisieren, sind verschiedene Arten die Perspektive auf die Situation, sich selbst, dem eigenen inneren Erleben und auf die Konsequenzen zu wechseln. Diese werden in dem Workshop unter Bezugnahme auf die Prinzipien von RFT vorgestellt und praktisch mir Selbsterfahrungs-Übungen ausprobiert. Der Fokus der Übungen liegt auf klinische Anwendbarkeit. Eine Demonstration wird angeboten.

 

Schwerpunkt wird dabei das sog. deictische Framing zur Aktivierung einer mitfühlenden Beobachter-Haltung in Abgrenzung zu rigiden Selbst-Konzepten sein. Der Wechsel in eine mitfühlende Beobachter-Haltung ist Grundvoraussetzung für Veränderungsprozesse in Richtung eines stärker nach persönlichen Werten ausgerichteten Lebens.

 

Als Arten von Perspektiven-Wechsel kommen im Workshop zum Tragen: räumliche, zeitliche, personale Perspektiven-Wechsel, sowie ein Wechsel der Beschreibungsebene für innere Erlebens-Qualitäten. Zudem wird im Sinne des Tagungsmottos: "Geht das denn mit ACT?" eine andere Perspektive auf das kognitive Umstrukturieren aus der KVT eingenommen, welche ACT-konsistenz ist und eine Standard-Intervention aus dem kognitiven Umstrukturieren als Intervention des Perspektiven-Wechsels nutzt. Zusammenfassend bekommen die Teilnehmer mit der Wippen-Technik (vgl. www.psychotherapie-bewegt.de/wippencoching) eine strukturierte Vorgehensweise auf Basis der ACT-Matrix vorgestellt, mit der sich bestimmte Arten des relationalen Bezugnahme im Sinne eines Perspektivenwechsels in der Arbeit mit Klienten trainieren lässt - zur Stärkung der mitfühlenden Beobachterhaltung für ein Engagement in Richtung der eigenen Werte im Leben.

 


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Präsentation Workshop
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LITERATUR:

  • Villatte, Villatte, & Hayes (2016). Mastering the Clinical Conversation: Language as Intervention. New York: Guilford Press [va. Kapitel 3 und 6]
  • In Polk & Schoendorff (2014). The ACT-Matrix. Oakland: Context Press [über die Einnahme der Beobachter-Perspektive bei der Matrix-Veranschaulichung]
  • Ciarrochi & Bailey (2010). Akzeptanz und Commitmenttherapie in der KVT. Weinheim: Beltz [→ für den Perspektiven-Wechsel zwischen kognitiver Umstrukturierung und Defusion]
  • Bierhals (2014). Wippen-Coaching [on-line]