Achtsamkeits-Meditation "Walking back backwards"

ACT-Therapeut Reimer Bierhals aus Bamberg entwickelte bei den ACT PRAXIS TAGEN eine Geh-Meditation zum
Schritt für Schritt wichtige Stationen des vergangenen Tages in einer Geh-Meditation Revue passieren zu lassen: Das war die Idee der Achtsamkeits-Übung "Walking back backwards" beim Open Space der ACT PRAXIS TAGE von Psychotherapeut Reimer Bierhals

Den eigenen Weg noch einmal gehen, in den eigenen Spuren - allerdings rückwärts - bewusst, Schritt für Schritt - körperlich und in der Vorstellung. Das war Ausgangspunkt der Idee von ACT-Therapeut Reimer Bierhals, eine Geh-Meditation bei den ACT PRAXIS TAGEN in Bettenburg zu entwickeln. Ein Experiment, welches zu einer intensiven meditativen Erfahrung führte. Die meditative Erfahrung lässt sich als Achtsamkeits-Übung im Alltag wiederholen. Für mehr Bewusstheit für die relevanten Schritte im Leben!

 

Bei den ACT PRAXIS TAGEN auf Schloß Bettenburg treffen sich Anwender der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)  aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu Workshops und OpenSpace-Angeboten, um ihr Know-How zu vertiefen, sich gegenseitig inspirieren zu lassen und voneinander zu lernen.

 

Die Idee für eine Achtsamkeits-Übung als Open Space-Beitrag kam Reimer Bierhals beim Joggen in der Nacht nach dem ersten Workshop-Tag, als er - wegen vergessener Stirnlampe - stolperte und einige Mühe hatte, den passenden Rückweg zum Seminarhaus zu finden.

 

Die Geh-Meditaion besteht aus mehreren Bestandteilen:

1.) Achtsames Rückwärtsgehen. Dabei jeden einzelnen Schritt bewusst setzen und sich die körperliche Empfindung des Schritt-Setzens vergegenwärtigen. Dabei immer wieder merken, wenn die Aufmerksamkeit abschweift, um sie liebevoll wieder auf die Wahrnehmung des Gehens zu richten (ca. 5 min).

2.) Innehalten beim Gehen. Und sich stattdessen in der Vorstellung in den vergangenen Tag zurückversetzen: Stück für Stück (ebenfalls in zeitlich umgekehrter Reihenfolge) relevante Stationen des vergangenen Tages noch einmal vergegenwärtigen mit all dem emotionalen Gehalt und der Bedeutung, die diese Stationen für einen persönlich haben mögen (ca. 5 min). Dabei versuchen, sich selbst gegenüber eine wertschätzende Haltung einzunehmen - die eines wohlwollenden Begleiters, der einem die Hand beim gemeinsamen Betrachten fürsorglich auf die Schulter legt.

1.) und 2.) ca. eine halbe Stunde lang abwechseln.

3.) Dann die Gehrichtung ändern in achtsames Vorwärtsgehen (je 5 min)

4.) dazwischen Innehalten beim Gehen. Und in der Vorstellung die zuvor bereits imaginierten Stationen des Vortags sich in umgekehrter Reihenfolge (also vorwärts) noch einmal vergegenwärtigen und abermals den emotionalen Gehalt und die Bedeutung wahrnehmen (je 5 min)

3.) und 4.) ca eine halbe Stunde lang abwechseln

5.) Zum Abschluss beim Innehalten, sich Einstimmen, mit welcher Haltung man nun bereit ist, dem Hier & Jetzt mit all seinen Anforderungen zu begegnen.

 

Bei der Premiere der Geh-Meditation "Walking back backwards" hatte es am Morgen geschneit. Dadurch fiel der Blick beim Innehalten vom Gehen auf die von einem selbst frisch gesetzten Spuren, während man sich in der Vorstellung die Erlebnisspuren des vergangenen Tages vergegenwärtige und den emotionalen Gehalt nachempfand. Es hatte dann fast schon symbolischen Gehalt, als man nach Wechsel der Gehrichtung seinen eigenen Spuren begegnete. Gleichzeitig fühlte sich das Nachempfinden der Tageszenen des Vortags beim zweiten Imaginieren der Szenen (in Vorwärtsrichtung) distanzierter an als in der ersten Runde (Rückwärts-Reihenfolge), so als habe sich mit der fortwährenden Beobachter-Haltung mehr emotionale Aufklärung im Sinne einer Defusion ergeben. Eine bereichernde Erfahrung!

 

zu: Hintergrund Achtsamkeit

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