Fingerzeit auf eigene Erstarrung

Übber die Verunsicherung angesichts der Flüchtlings-Krise

Eine schmerzhafte Erinnerung daran, "dass wir selbst oft aus dem Alltag fliehen möchten" betrachtet Psychoanalytiker Wellershoff in der ZEIT Nr. 13/2016 die Verunsicherung angesichts der Flüchtlings-Krise. Bild: André Zimmermann / pixelio.de
Eine schmerzhafte Erinnerung daran, "dass wir selbst oft aus dem Alltag fliehen möchten" betrachtet Psychoanalytiker Wellershoff in der ZEIT Nr. 13/2016 die Verunsicherung angesichts der Flüchtlings-Krise. Bild: André Zimmermann / pixelio.de

Als Fingerzeig auf die eigene "Unfähigkeit, ein vorgefertigtes Leben mit mutigen Entscheidungen zu unserem eigenen Leben zu machen" interpretiert Psychoanalytiker Wellershoff in der ZEIT Nr. 13/2016 die Verunsicherung vieler Menschen angesichts der Flüchtlingskrise. Was er damit meint, finde ich bemerkenswert: Es gibt Parallelen zwischen Ängsten vor Fremden und der Angst, selbst Risiken einzugehen. Wellershoff weist darauf hin, dass wir in der Sicherheit unseres Alltags oft ein durchgetaktes Alltagsleben führen, welches aus viel Routine, viel Pflichten und viel Fremdbestimmtheit besteht. Viele würden sich wünschen, daraus auszubrechen und selbst zu "flüchten". Und dennoch erstarren sie in dieser Sicherheit. Wellershoff nennt dies "depressives Verharren" aufgrund vermeintlicher Sachzwänge.

 

Angst vor dem Fremden kommt dann zustande, wenn wir uns in unserem eigenen Leben nicht mehr trauen, Risiken einzugehen. Wenn wir neue Erfahrungen im Hier & Jetzt scheuen, obwohl wir unzufrieden sind. Dann bleiben wir im gedanklichen "Kopfkino" stecken. Was braucht es, damit wir uns zutrauen, unserem persönlichen Leben mehr selbstgewählte Richtung zu geben? Eine persönliche "Willkommenskultur" wäre wohl ein guter Beginn! Die unbedingte Zusicherung, dass wir selbst hinter uns stehen - unabhängig von der nach außen sichtbaren Leistung. Uns selbst auch in schwierigen Stunden annehmen. Uns selbst so willkommen heißen, wie wir sind. Mit all den Unzulänglichkeiten und innerem Leid, das wir mit uns tragen. Eine derartige innere "Willkommenskultur" macht Angst nicht weg -  und doch hilft dieses Selbstmitgefühl uns, (notfalls auch mit Angst) Schritte auf dem Weg in die selbstgewählte Richtung zu gehen. Nähere Informationen zu dem damit verbundenen Therapie-Angebot findet sich unter ACT.

 


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